Umweltgerechtes Handeln


Herr, es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.

Diese Zeile aus dem Herbstgedicht von Rainer Maria Rilke geht mir nun, da dieser extreme Sommer sich verabschiedet, durch den Sinn. Diesen großen Sommer, den ich mit gemischten Gefühlen genossen habe, werde ich wohl nicht vergessen! Unsere Sonnenstromernte war in diesem Sommer so reich wie noch nie. Und der kräftige Regen am 11. Juli führte zu einer Überschwemmung auf dem Vorplatz der Kita.
Im letzten Kirchenzettel hat Hubert Busch darüber geschrieben, wie die zunehmenden Wetterextreme zu erklären sind und die bange Frage gestellt, ob das Klima noch zu retten sei. Diese Frage ist schwer auszuhalten, vergleichbar mit der Diagnose einer unheilbaren Krankheit. So erkläre ich es mir, dass es noch so viele Menschen gibt, die die Warnungen von 90% aller Wissenschaftler in Zweifel ziehen und darauf setzen, dass es schon nicht so schlimm kommen wird.

Die inzwischen auch bei uns spürbaren Veränderungen werden dann abgetan mit dem Satz: „Wetterextreme hat es doch schon immer gegeben.“ Wie klingt das in den Ohren eines Inselbewohners der Südsee, der erleben musste, dass sein Dorf im Meer versunken ist? Oder einer Frau aus dem Sudan, deren Hoffnung auf eine Ernte, die ihre Kinder ernährt, in gnadenloser Trockenheit verdorrt ist?

Aber nicht nur Leugnung und Verdrängung, sondern auch Kalkül ist im Spiel, wenn am einmal eingeschlagenen Weg fest gehalten wird. Das habe ich in dem Konflikt um den Hambacher Wald so deutlich erlebt. RWE war im Recht mit seinen Rodungsabsichten und musste, um weiter die errechneten Gewinne aus dem Abbau und der Verstromung von Braunkohle erzielen zu können, ein Exempel statuieren. Wie gut, dass sich so viele Menschen auf den Weg gemacht haben, um gegen dieses fatale „Weiter-So“ zu demonstrieren!

Trotzdem sind die Kräfte, die den Wandel zu einer „Nachhaltigkeitsrevolution“ blockieren, längst nicht gebannt. Der Potsdamer Klimaforscher Schellnhuber glaubt an die Chance eines tiefgreifenden Wandels, die die Menschheit noch hat, wenn sie sie ergreift. Wird sich die Politik gegenüber der Wirtschaft durchsetzen und Inlandflüge verbieten, SUVs teurer machen und eine CO2-Steuer einführen? Und wird sich jeder Einzelne seiner Verantwortung bewusst und tut, bzw. lässt das ihm Mögliche:

  • Jede Kilowattstunde, die ich nicht verbrauche, ist ein Beitrag zum Klimaschutz. Wie viele Menschen machen im Alltagsgetriebe wirklich Gebrauch von der Möglichkeit, sich einen vom BUND in Zusammenarbeit mit unserer Landeskirche geschulten Energieberater zu sich in die Wohnung zu holen?
  • Mit jedem Wechsel zu einem der echten Ökostromanbieter wird die Energiewende gestärkt. Wer diesen kleinen Schritt noch vor sich hergeschoben hat, kann sich gerne bei uns sachkundig machen, wie leicht das geht.
  • Veränderungen in vielen Alltagsgewohnheiten, wie wir uns fortbewegen, ernähren und kleiden sind not-wendig für den Schutz unseres gemeinsamen Hauses, unsere so schöne und gefährdete Erde!

Bei entschiedener Umkehr sei es noch zu schaffen, die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen, spornt uns der Weltklimarat an. Ebenso die Worte des Generalsekretärs der Vereinten Nationen, Antonio Guterres vom 10. September 2018 :
„Liebe Freunde der Erde, ich habe euch hierher eingeladen, um mit mir Alarm zu schlagen. Denn der Klimawandel stellt uns vor die wichtigste und entscheidende Aufgabe unserer Zeit. Er stellt uns vor eine existentielle Bedrohung. Wenn wir unseren Kurs bis zum Jahr 2020 nicht entscheidend ändern, riskieren wir desaströse Folgen für Mensch und Natur. Denn der jetzige Kurs zerstört die Kreisläufe der Natur, von der wir leben … Wir werden die Verantwortungsträger der Wirtschaft, der Politik und der großen Vermögen zusammenbringen, um unser Schicksal in die Hände gemeinsamer Verantwortung zu legen … Die Welt rechnet mit euch. Ich rechne mit euch allen.“

Ermutigung ist mir auch immer wieder, dass sich unsere Gemeinde mit dem Grünen Hahn zum beherzten Handeln bekennt. Mögen uns Kraft und Mut nicht ausgehen!
Auf dem diesjährigen Adventsfest wünschen wir – das Umweltteam – uns, darüber ins Gespräch zu kommen, wie unterschiedlich wir alle mit der Bedrohung des voranschreitenden Klimawandels umgehen. Niemand kann ja behaupten, die eine Lösung zu kennen und nur gemeinsam können wir Wege aus der Wachstumsfalle finden.

Für das Umweltteam: Margrit Schmidt