Umweltgerechtes Handeln


Ein toller Sommer ! ?

 

Was war dies in diesem Jahr für ein toller Sommer! Es ist der 3. September, ich sitze immer noch bei über 25 ° C in Shorts und T-Shirt draußen und mache mir Gedanken über diesen Artikel für den Kirchenzettel. In diesem Sommer war ich viel häufiger draußen in der Natur, auch viel häufiger baden in unseren schönen Gewässern als in vergangenen Jahren! Selbst an vielen Abenden konnte man noch ohne Jacke draußen sitzen. In der Ostsee herrschten Temperaturen von über 25 ° C. Ein toller Sommer !

Sicherlich, im Garten musste man häufiger gießen als sonst, trotzdem sind manche Pflanzen vertrocknet. Die Nachrichten von außen sind auch nicht so toll: Die Landwirte, speziell auch in Brandenburg, klagen über hohe Ernteausfälle durch die Trockenheit. Anfang August war die Schwarze Elster im Süden Brandenburgs, immerhin ein üblicherweise 10 m breiter und 70 cm tiefer Fluss, auf Grund der Trockenheit auf über 4 km komplett ausge-trocknet. Und dann brannte der Wald: Keine 50 km südlich von uns brannten riesige Waldflächen bei Treuenbrietzen und Fichtenwalde. Die Kiefernwälder waren komplett trocken, die Feuer wurden trotz intensiver Bekämpfung durch trockene Winde immer wieder angefacht. Ein toller Sommer ?
Im Tagesspiegel vom 03.09.2018 finden wir meteorologische Daten für Berlin:
Die Monate April bis August waren zu warm und zu trocken, sowie extrem sonnenscheinreich! Die Durchschnittstemperatur lag 1,3°C über dem langjährigen Mittel, wir hatten 22 Hitzetage (über 30 °C) statt durchschnittlich 6, wir hatten 7 tropische Nächte (über 20 °C) statt einer. Die Sonne schien bereits bis Ende August an 1.776 Stunden, das schafft sie sonst nicht im ganzen Jahr! Neben den hohen Temperaturen waren vor allem auch die extrem geringen Niederschläge ein Phänomen. In den Monaten April bis August fiel so wenig Regen, wie noch nie in den letzten 125 Jahren. Wenn es mal regnete, dann gleich in so großen Mengen innerhalb kurzer Zeit, dass das Wasser abfloss, ehe es in den Boden einziehen konnte. Bei den hohen Temperaturen war auch die Verdunstung besonders hoch, so dass die Böden austrockneten.
Können das noch zufällige Ereignisse sein, oder sind dies bereits Folgen des von uns Menschen verursachten Klimawandels? Vornehmlich wird unser Wetter durch Westwinde bestimmt, normalerweise wechseln sich Regen bringende Tiefs vom Atlantik mit einzelnen Hochs ab. Diese vornehmliche Westwindwetterlage hat ihre Ursache auch im „Jetstream“ der Nordhalbkugel. Dieser „Jetstream“ jagt zwischen dem 40. und dem 60. Breitengrad in 10 und 15 km Höhe mit einer Geschwindigkeit von über 150 km/h über uns hinweg. Er entsteht durch die großen Temperaturdifferenzen zwischen den südlichen warmen Zonen und den kalten Polarzonen, abgelenkt durch die Erddrehung nach Osten. Was ist jetzt anders: Vornehmlich durch die Zunahme an Kohlendioxyd in der Atmosphäre erwärmt sich die Erde, allerdings unterschiedlich stark: Messungen zeigen, dass sich die Arktis stärker erwärmt als der Rest der Erde, das arktische Meereis wird nach diesem Sommer auf eine Fläche zusammenschmelzen, die nur noch halb so groß ist wie vor 40 Jahren. Damit wird die Temperaturdifferenz zwischen den kalten Polarzonen und den südlichen warmen Zonen geringer. Das hat zur Folge, das auch die Druckdifferenz geringer wird. Klimaforscher sehen hier den Auslöser für die Abschwächung des Jetstreams!
Mit dem Abschwächen des Jetstreams lassen sich tatsächlich viele der derzeitigen Wetterereignisse erklären: Die entstehenden Hochdrucklagen werden im Vergleich zu früher länger anhalten. Tiefdrucklagen bleiben aber ebenfalls länger bestehen, bzw. bewegen sich langsamer als früher weiter. Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung: „Wenn in einer Region über Wochen das gleiche Wetter herrscht, können sonnige Tage in eine schwere Hitzewelle auswachsen oder Regen in eine Flutkatastrophe“. Und im Winter werden lange Kältewellen oder schwere Schneefälle wahrscheinlicher.
Seit Februar stellen wir bei uns solche Ereignisse tatsächlich fest, zunächst der späte und dann lang anhaltende Kälteeinbruch im Februar und März und anschließend – fast übergangslos – die Wärme und Trockenheit mindestens bis Ende August, dem Zeitpunkt des Schreibens dieses Beitrags.
Die nächsten Jahre werden zeigen, ob wir auch weiterhin solche extremen Wettersituationen haben werden. Paul Becker, Vizepräsident des Deutschen Wetterdiensts, sagt dazu: „Wir erleben diesen Sommer an vielen verschiedenen Orten der Welt zeitgleich ein gehäuftes Auftreten von Hitzewellen und extremen Starkniederschlägen. Genau eine solche Häufung von meteorologischen Extremereignissen wurde von uns als Folge des anthropogenen (vom Menschen verursachten) Klimawandels prognostiziert.“
Können wir Menschen das Klima eigentlich noch retten oder hat der Klimaumschwung bereits unumkehrbare Kipppunkte erreicht? Im nächsten Kirchenzettel wollen wir uns mit diesen Fragen befassen.
Für das Umweltteam, Hubert Busch – nach der Lektüre des Artikels „Über den
Wolken aus der Puste“ von Otto Wöhrbach, Tagesspiegel vom 09.08.2018