Stadtteilmütter zu Besuch in der Frauengruppe


Am 9. Juni 2011 durften wir bei uns Frau Muna Naddaf begrüßen. Sie ist Islam- und Politikwissenschaftlerin und arbeitet als Organisatorin beim Diakonischen Werk Neukölln-Oberspree. Wir wollten uns von ihr berichten lassen, wie die Arbeit der Neuköllner Stadtteilmütter aussieht. Leider konnte sie die vorab angekündigte Stadtteilmutter wegen Krankheit nicht begleiten.
Frau Naddaf, die in Syrien aufwuchs und deren Mutter Deutsche ist, stellte uns das Projekt vor. Nicht nur türkische und arabische, auch polnische und Frauen anderer Nationalitäten durchlaufen ein halbjähriges Ausbildungsprogramm und werden dann nach Aushändigung des Zertifikats mit dem roten Schal und der wunderbaren Tasche aus LKW-Plane, die sieben bunte, kindlich gezeichnete Figuren zieren, in ihnen bekannte Familien geschickt, um dort die Familien über das deutsche Bildungssystem, Erziehungsfragen, Kinderrechte und Elternpflichten und anderes in zehn Treffen zu informieren. Gerade das Thema „Gesunde Ernährung“ erscheint harmlos und informell genug als „Türöffner“, das oft skeptische Ehemänner beruhigt „in die Flucht schlägt“ und die dann gern der Ehefrau diese Treffen überlassen. Dann ist in den zehn Treffen auch Platz für das Thema „Gewalt in der Ehe und in der Kindererziehung“.
Die Stadtteilmütter müssen gut deutsch sprechen, um am von verschiedenen Trägern geförderten Programm, darunter das Bezirksamt Neukölln und das Jobcenter, teilnehmen zu dürfen. Der Vorteil ist, dass sie auch in ihrer Muttersprache diese Infos an die Mütter weitergeben können, auch anonym oder in anderen Räumen als im eigenen Heim, wenn die Frauen es wünschen. Wichtig ist die Freiwilligkeit der teilnehmenden Familien - das ist auch der Garant für den durchschlagenden Erfolg dieses inzwischen vielfach ausgezeichneten Projekts. Besuchte Familien arbeiten aktiv an ihrer Integration, oft wurde aus besuchten Müttern die nächste Generation Stadtteilmütter. Womöglich droht dem seit 2006 laufenden und national wie international exportierten Erfolgsprojekt wegen mangelnder Finanzierungssicherheit  leider das Aus!
Frau Naddaf  hatte ein offenes Ohr für unsere Fragen, der Abend ging zu schnell vorbei – und hinterließ einen umfangreichen Überblick über die wichtige Arbeit der Stadtteilmütter, die wir bei uns in Neu-Buckow übrigens nur deshalb nicht zu sehen kriegen, weil die Stadtteilmütter nur in den Stadtbereichen wirken dürfen, wo auch Quartiermanagement betrieben wird…