Angedacht


Liebe Kirchenzettelleserinnen und -leser,

heilige Quellen und heilige Flüsse gehören wohl schon immer zum Gedankengut der Menschen. Bestimmte Quellen versprechen bestimmte Heilungen. Denken Sie nur an Karlsbad, Marienbad und all die anderen Heilbäder in Deutschland.
Auch unsere Märchen sind voll von Wasserquellen. So tauchen zwei Mädchen in dem Märchen von Frau Holle in den Brunnen und stoßen dort auf ihren eigenen „Wesensgrund“. So kann man das Märchen von Frau Holle deuten. Wie dieses jeweilige „Wesen“ der Mädchen beschaffen ist, so tauchen sie als Gold- oder Pechmarie im realen Leben auf. Oder denken Sie an den Froschkönig…
Auch in der Philosophie gilt in der Antike das Wasser als eines der vier Elemente der Welt.
Und der alte griechische Philosoph Heraklit schreibt: „Wir steigen in denselben Fluss und doch nicht in denselben, wir sind es und wir sind es nicht.“ „Keiner kann zweimal in denselben Fluss steigen.“
Aber auch in der Bibel spielt das Wasser eine wichtige Rolle. Schon im 2. Vers der Schöpfungsgeschichte schwebte der Geist Gottes auf dem Wasser.
Ohne Wasser geht im Leben garnichts. Das ist uns nicht erst seit dem Wissen in der Biologie bekannt. Und trotzdem sind die Tiefen der Meere immer auch ein Ort des Geheimnisses und auch der Unzugänglichkeit.
Wenn Gott uns das lebendige Wasser gibt, dann ist er der heilige Ort in unserem Leben. Er ist es, der uns als Geheimnis umgibt und uns in die Geheimnisse der eigenen Welt und unseres Lebens einführt und diese aufzeigt. Dann können wir mit den obigen Bildern weiter spielen. Er führt uns mit seinem Wesen auf unseren Wesensgrund. Er macht uns unser persönliches Wesen und das Wesen des Menschen klar und deutlich. Er ist es, der uns immer umgibt und doch sich ständig verändert. Er ist es, der nicht fassbar ist in seiner sich stets verändernden Lebendigkeit. Er ist es, der uns immer wieder neu begegnet, weil auch wir uns ständig verändern. Und doch ist er immer der gleiche. Sein Geist schwebt über aller Lebendigkeit und bringt immer wieder Schöpferisches in uns hervor.

Letztlich ist die Taufe der Ort, an dem deutlich wird, dass wir von Gott, dem Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geist im Glauben umflossen werden und zu ihm gehören. Im Psalm 139,5 heißt es: …Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir. Solche Erkenntnis ist mir zu wunderbar und zu hoch; ich kann sie nicht begreifen.

Die Jahreslosung steht selbst im Buch der Offenbarung. Sie steht da, wo über das neue Jerusalem geschrieben wird. Da wird dann der Herr in seiner Lebendigkeit endgültig wahrgenommen.
Ich wünsche Ihnen, dass Sie immer wieder lebendiges Wasser erfahren und neue Lebensquellen aufdecken. Es ist ein neues Jahr und wie alle anderen Jahre ein einmaliger Lebensabschnitt. Er wird gekennzeichnet sein durch die 4 Jahreszeiten, die großen Feste und den üblichen Alltag.
Diese werden wieder einmalig sein und Sie erleben das alles neu, obwohl es bekannt ist.
Sie werden auch durch unser Gemeindeleben bekleidet – oft alt Bekanntes und doch immer wieder neu!
Gott segne uns alle auf dem Weg zum lebendigen Wasser, das er uns täglich schenkt!

„I'm Ready“ ein amerikanischer Liedtext, gesungen von Tracy Chapman bringt vielleicht die Jahreslosung noch einmal in einer anderen Perspektive zum klingen:

Ich möchte aufwachen und wissen, wohin ich gehe
Sag ich bin bereit Sag ich bin bereit

Ich möchte gehen, wo die Flüsse überlaufen und
Ich werde bereit sein Ich werde bereit sein

Ich bin bereit, die Flüsse über mich hinwegwaschen zu lassen
Ich bin bereit, die Flüsse über mich hinwegwaschen zu lassen

Wenn das Wasser mich erlösen kann
Ich bin bereit Ich bin bereit

Ihr Pfarrer Johannes Reiff