Angedacht


Liebe Gemeinde,
ich wünsche Ihnen allen ein gesegnetes Jahr 2017. Ich weiß nicht, was Sie von diesem kommenden Jahr erwarten, oder ob Sie sich darüber überhaupt Gedanken machen. Oft beginnt ja so ein Jahr mit den Planungen der wichtigsten Ereignisse in der Familie. Das kann ein „runder“ Geburtstag sein, das Ende einer Schulzeit oder die Planung der Sommerferien. Zahlen, Daten, Jahreszeiten bestimmen unsere Planungen im Leben. Wir hoffen, dass schlimme Ereignisse an uns vorüber gehen, wichtige Probleme endlich eine gute Lösung finden und wir alle gesund bleiben. Das Wichtigste ist die Gesundheit, heißt es oft bei Wünschen und Gratulationen. Und so geschieht es auch oft zum Neujahr.
„Ich schenke Euch ein neues Herz und einen neuen Geist!“ heißt es im Spruch für das Jahr 2017 von Hesekiel. So mancher der einmal am Herzen operiert wurde, kann nachfühlen, was das körperlich und seelisch heißen kann. Er weiß, wie es ist, wenn das Herz nicht mehr richtig funktioniert und damit das Leben störanfällig ist. Ängste und Schmerzen begleiten dann den Alltag. Wenn unser Herz aber erstarrt ist, spüren wir nicht so schnell und deutlich die direkten Folgen. Herzen können aus sehr verschiedenen Gründen erstarren. Enttäuschungen im Leben mit Menschen, falsche Erwartungen und innere Ausweglosigkeit, von anderen ausgegrenzt werden – das alles können Gründe für Herzenshärte sein. Aber auch das Wegdrängen von Gefühlen, um überleben zu können, kann dazu führen. Ich will damit zeigen – Herzenshärte muss nicht auf Bösartigkeit des Menschen beruhen – sie isoliert ihn aber trotzdem.
Der Begriff Herz wird im Alltag gerne und oft genutzt, um die Liebe zu einem Menschen auszudrücken. Wir gratulieren mit den herzlichsten Glückwünschen, sprechen von Herzensgüte und von Menschen, die das Herz am rechten Fleck haben, setzen uns „mit Herzblut“ für eine Sache ein, von der wir überzeugt sind. Manchmal fliegen einem alle Herzen zu…und dann gibt es Momente, in denen einem das Herz in die Hose rutscht. Im Herzen scheinen alle Gefühle vereint zu sein. In diesem „Muskel“ konzentriert sich unsere Liebe und das Lebensgefühl. Unsere Herzen sind manchmal ermüdet. Die Kraft reicht dann nicht aus, dass wir alle, die es notwendig haben, auch lieben können. Manchmal gönnt sich ein Herz selbst keine Liebe. Es ist schön, dass du so ein großes Herz hast – das möchte ich manchmal Menschen sagen. Nimm doch wahr, wie herzlich du bist!
Gott scheint unsere Liebeskraft zu interessieren. Darum will er uns ein neues Herz schenken. Nicht weil das alte vielleicht nur aus Stein ist, sondern damit wir noch intensiver aus unserem Zentrum leben können.
Gott will unsere Mitte stärken, unser„Herzzentrum“. Er will, dass es beschützt wird. Ich habe noch nie gehört, dass irgendeine gesellschaftliche Institution unser geistiges Herz stärken will. Ich glaube auf diese Idee kann nur Gott kommen. Wie kann das geschehen?
Wir kennen alle den Begriff: Das eigene Herz jemandem ausschütten. Manchmal ist es einem unangenehm, wenn einem jemand sein Herz ausschüttet. Anderseits ist es ein Zeichen großen Vertrauens. Wem können Sie ihr Herz ausschütten und mit wem besprechen sie, was Sie so im Herzen bewegt? In der Weihnachtsgeschichte heißt es, dass Maria alles in ihrem Herzen bewahrte, was sie gehört hatte. Sie hat vernommen, dass Jesus der Sohn Gottes ist. Sie konnte es nicht fassen, bewahrte es aber in ihrem Herzen. Auch unser Herz ist ein Ort des Wissens über das Leben und unseren Glauben. Dieses Wissen aus dem Herzen benötigen wir für unser ganzes Leben. Maria lernte als Mutter ihren Sohn Jesus auch mit dem Herzen lieben, gerade weil die Beziehung nicht immer konfliktfrei war. Aber sie blieb ihm treu an der Seite. Wenn Gott uns ein neues Herz schenkt, dann kann damit auch Jesus gemeint sein. Er soll unser geistliches Herz bewohnen. Seine Worte sollen tief in unser Herz eindringen. Das klingt Ihnen zu fromm? Macht nichts! Herzenssachen sind auch Offenbarungen unserer Gefühle. Und über Gefühle trauen wir uns kaum zu sprechen, weil sie unsere empfindsame Seite zeigen. Und die wollen wir berechtigterweise auch schützen. Aber ohne diese Seite werden wir hart und herzlos.
Ich wünsche Ihnen noch einmal ein gesundes und gesegnetes Neues Jahr 2017 und dass Sie mit dem Herzen in diesem Jahr unterwegs sind.
Ihr Pfarrer Johannes Reiff