Angedacht


 

Liebe Kirchenzettelleser,

schon wieder geht es mit Sauseschritt dem Ende des Kirchenjahres entgegen. In diesem Heft sind alle unsere gemeindlichen Treffen bis zum Ewigkeitssonntag aufgelistet. Ich hoffe, es wird für Sie eine glückliche Zeit. Was macht uns Menschen aber eigentlich glücklich?

In einer Langzeitstudie der Harvard Universität wurde Folgendes festgestellt: „Gute Beziehungen machen uns glücklicher und gesünder.“ So las ich es jedenfalls in einer Zeitung dieses Jahr und ob man dafür eine Langzeitstudie benötigt, stelle ich mal in Frage.

Gute Beziehungen sollen auch Menschen länger leben lassen.

Lukas schreibt über Freude, also auch glücklich sein, vor den Engeln vor Gott! Auch da scheint man glücklich zu sein, wenn die Beziehungen zwischen Himmel und Erde stimmen! Nichts trennt den Menschen untereinander, von Gott und seinen Engel.

Was für ein schönes Bild. Das, was zuvor zwischen den Menschen und Gott stand, wird dabei als Sünde bezeichnet. Diese ist durch Buße getilgt.

Der Begriff „Sünde“ ist aus unserem Alltag entwichen bzw. zur Karikatur verfallen. Er kommt noch in der „Kirche“ vor. Er gehört dort in die Kategorie „Schuld“ und „Buße“.

Wir verwenden den Begriff Sünde oft sehr eng als eine moralische Verfehlung.

Aber Sünde ist zuerst die Abkehr von echter Freude! So zumindest kann man den Lukastext auch verstehen. Abkehr von der Sünde bedeutet wieder echte Freude gewinnen!

Wir Menschen fühlen uns oft voller Scham über Fehler, ärgern uns über unsere eigenen und der anderen Unvollkommenheiten und werden dabei noch von unseren lieben Menschen gern mit der Nase auf unsere Fehler gestoßen. Sich gegenseitig kränken und weh tun, weil wir dem anderen seinen Erfolg nicht gönnen, ihm eine vermeintliche Bösartigkeit heimzahlen wollen, etwas vermeintlich besser wissen oder einfach schlechte Laune haben – all das macht keine echte Freude in einer Beziehung. Und irgendwie kommen wir immer wieder in diesen Teufelskreis. Umkehr ist immer wieder gefragt. Buße heißt das in unserer kirchlichen Sprache. Buße ist die Erkenntnis der eigenen Beschränktheit und der Wille diese immer wieder zu versuchen. Das ist nicht einfach und mit Schmerzen verbunden. Aber nur so erlangen wir wieder eine intakte Beziehung zueinander.

So bei Lukas: Buße ist die Einsicht der eigenen Unvollkommenheit. Sünde ist es darin zu verharren, sich selbst nicht zu hinterfragen. Das Aufraffen daraus kann wieder neue Wege eröffnen!

Gott und meistens auch unsere engsten Freunde und Bekannten kennen unsere Schwachstellen und wir kennen ihre. Daran brauche ich nicht zu verzweifeln. Gott lässt mich nicht fallen, ich soll mich nicht fallen lassen und so dürfen wir hoffen, das uns unsere Freunde und Bekannten auch nicht fallen lassen. Das gibt Mut zum neuen Anfangen. Und dieser neue Anfang kann auch in der Einsamkeit beginnen. In der Einsamkeit, in der mir vor allem das Geschütztsein durch Gott im Herzen erkannt wird!

Ich bin angenommen, geliebt und nicht vergessen – egal auf welcher Wegstrecke meines Lebens ich mich gerade befinde. Daraus darf ich wieder neu anfangen. In der Gemeinde wissen wir voneinander von unseren Grenzen. Aber wir sollen uns immer wieder gegenseitig einen neuen Anfang des Miteinanders schenken! Gott will, dass wir miteinander Freude im gegenseitigen Verzeihen und neuem Anfang erfahren!

Auf einer Reise habe ich in einer evangelischen Kirche in Munster/ Elsass folgenden Text gefunden, er war wohl für die Gemeinde wichtig:

„Gott ist nicht gekommen um das Leiden zu beseitigen, nicht einmal dafür um es zu erklären, er ist gekommen, um es mit seiner Gegenwart zu erfüllen!“ Wir sind Sünder und erfahren gerade dadurch die Freude, Geliebte Gottes zu sein.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Herbst des Jahres 2017!

Ihr Pfarrer Johannes Reiff