Angedacht


Liebe Kirchenzettelleser/Innen,

Am  23.  Mai  1618  begann  mit  dem Fenstersturz  zu  Prag  der  30jährige Krieg. Es war der Kampf um Macht, Unabhängigkeit gegenüber dem Kaiser und Einfluss in Europa. Das alles wurde mit konfessionellen Auseinandersetzungen  begründet.  Es war ein unentwirrbares  Knäuel  von  Ursachen.  Darum  hat  dieser  Krieg  auch so  lange  gedauert  und  unendlichen Schaden angerichtet. Es ist auch die Zeit  der  großen  Hexenverfolgungen, weil die Menschen in ihrer Verzweiflung  die  Ursachen  des  Bösen  vernichten wollten.
Diese Zeiten sind nun 400 Jahre her. Die  Konfessionen  haben  heute  einen  Kompromiss  gefunden  und  leben einigermaßen friedlich miteinander.
Was aber heute die Menschen kaum noch  bewegt  und  damals  wesentlicher  Anlass des  Krieges war, ist die Frage  nach  dem   rechten  Glauben. Heute scheint der Glaube an Gott in Frage zu stehen.
Wir erleben das in vielen Medien. Zeitschriften  und  große  Wissenschaftler  melden  sich  dazu  immer wieder gern  zu  Wort. Es  werden Bücher geschrieben und im  Fernsehen Sendungen  gebracht,  die  uns  meistens  erklären  wollen,  dass  die  Welt auch ohne Gott entstanden ist. Letztlich will man sagen: Es bedarf keines Gottes oder es gibt keinen Gott. Wer an  einen  Gott  glaubt,  stehe  neben den Erkenntnissen der Wissenschaften und ist nicht mehr auf der Höhe der  Zeit.  So  wird  oft  der  Physiker Hawkins  ins  Feld  geführt,  der  dann als  der  klügste  Mann  der  Welt  bezeichnet  wird.  Hawkins  gibt  allerdings  bei  der  Frage  nach  der  Existenz Gottes in seinen Büchern unterschiedliche Antworten. Oder der Biologe Richard Dawkins, der den Glauben  sogar  als  einen  „Gotteswahn“ beschreibt.
Wie  aus  meiner  Sicht  der  Oxforder Mathematiker  Prof.  Lennox  dazu richtig  bemerkt,  sehen  diese  Leugner  der  Existenz  Gottes,  Gott dadurch  entkräftet,  weil  sie  Fragen der Entstehung der Welt physikalisch erklären können. Gott sei sozusagen für  die  Entstehung  der  Welt  nicht mehr  notwendig.  Aber  ist  das  überhaupt unser Gott, wie er in der Bibel beschrieben  wird?  Ist  das  unser Glaubensbekenntnis?  Wir  sagen  im Glaubensbekenntnis  –  Gott  ist  der Schöpfer des Himmels und der Erde. Wenn  diese  Entstehung  der  Erde und  des  Himmel  erklärt  werden kann, ist dann auch Gott entkräftet? Wie  Lennox  hervorhebt,  ist  bereits bei diesen Wissenschaftlern die Vorstellung  vom  christlichen  Gott  und biblischen  Gott  fehlerhaft.  Sie  deuten  den  christlichen  Gott  als  einen physikalischen  Verursacher  dieser Welt. Wenn ich noch ungeklärte Fragen  der  physikalischen  Weltentstehung  erklären  kann,  brauchen  wir eine  Erklärung  durch  Gott  nicht mehr,  ist  der  Denkschritt  dieser Männer. Dahinter steckt die Behauptung:  Glaube  an  Gott  entsteht  nur, weil man früher noch nicht alles physikalisch  und  biologisch  erklären konnte.  Sobald  man  aber  eine  Lösung findet, sei damit auch die Existenz  Gottes  entkräftet.  Aber  für  uns Christen  ist  Gott  kein  Lückenbüßer für ungelöste Fragen der Physik oder der  Biologie.  Für  Christen  ist  Gott "der  Autor  der  ganzen  Show  –  sowohl  von  den  Teilen,  die  wir  nicht verstehen  als  auch  von  denen,  die wir  verstehen."  So  formuliert  es Lennox etwas salopp.

Der  Hebräerbrief  sagt:  Wir  erhalten durch Gott eine Zuversicht, dass die ganze Schöpfung auf eine große Liebe hinausläuft, die alle uns verständlichen  und  unverständlichen  Teile unseres Lebens zusammenhält. Diese Zuversicht ist eine feste Grundlage  unseres  christlichen  Lebens  und schenkt  uns  Optimismus.  Aber  die Physik  kann  aus  sich  heraus  gar nicht  die  Frage  nach  diesem  Gott und  einer  solchen  Zuversicht  dieser Welt  stellen  oder  lösen.  Die  Physik kann  damit  auch  innerhalb  ihres Rahmens  die  Frage  nach  Gott  auch nicht  klären.  Sie  ist  dafür  genauso wenig  geschaffen  wie  die  Biologie. Dafür  fehlen  ihr  einfach  die  Methoden.  Die  Physik  oder  Biologie  können  auch  keine  Ehefragen  oder Staatskonflikte  lösen.  Physik  und Biologie sind Teilwissenschaften und keine  Universalwissenschaften.  Unsere  „Mittel“  den  Sinn  der  Welt  in unserem  Leben  zu  erfassen,  sind das Gebet, der Glaube, die Bibel und die christliche Gemeinschaft und der menschliche  Verstand.  Damit  können wir dem Wirken Gottes in unserem Leben glaubend nachspüren.
Die  Physik  ist  auf  dem  Gebiet  des Glaubens, so wie wir ihn als Christen verstehen, einfach blind. Es ist nicht ihr  „Forschungsgebiet“.  Und  wer meint,  dass  er  mit  der  Physik  alle Lebensfragen  lösen  kann,  begibt sich  eigentlich  damit  auch  auf  das Gebiet  eines  Glaubens.  Es  ist  der Glaube,  dass  die  Wissenschaft  alle Fragen lösen kann. Es ist eine Glaubenserwartung  in  die  Wissenschaft aus  dem  vorletzten  Jahrhundert. Aber unser Glaube schenkt uns Perspektive  und  Sinn.  Darum  ist  er  so wertvoll!
Ich wünsche Ihnen eine schöne Zeit, im  Vertrauen  und  Glauben,  dass, was immer in den nächsten Wochen auf  Sie  zukommt,  alles  getragen  ist in der Liebe Gottes!
Mit herzlichen Grüßen
Ihr Pfarrer Johannes Reiff