Reformation


Hier stehe ich, ich kann nicht anders -

500 Jahre Reformation

Wer kennt ihn nicht, den berühmten „Petersdom“ in Rom. Im Fernsehen groß im Bild, wenn der Papst huldvoll vom Balkon winkt. So ein riesiges Gebäude: 20.000 Menschen haben darin Platz! Dass der viel Geld kostete ist ja wohl klar. Und wie heute war es auch vor 500 Jahren: der Steuerzahler wird's schon richten. Ist die Frage: wie kommt man an das Geld des kleinen Bürgers?

Seit Ende des 8.Jh war die Entrichtung des „Peterspfennig“ üblich, laut Papst Benedikt (2006): „die Teilhabe aller Gläubigen an den wohltätigen Initiativen des Bischofs von Rom für die Weltkirche.“ Aber wenn der doch nicht reichte? Der damalige Papst erließ daher ein Gesetz, das lukrative Geschäft mit dem sogenannten „Ablasshandel“ auszuweiten. (Ablass = du hast gesündigt? Dann wirst du bestraft. Kaufst du aber einen Ablass, wird dir die Strafe erlassen.)


Magdeburg 1517. Markgraf Albrecht von Brandenburg hatte sich -entgegen der Kirchenordnung -ZWEI Bischofssitze UND einen Erzbischofssitz zugelegt. Der Papst erließ ein Strafgeld gegen diese Ämterhäufung - - und duldete sie. Denn Papst Leo X. (geborener di Medici) hatte eine Idee: er ließ sich das Strafgeld durch seinen guten (christlichen) Geschäftspartner, dem Bankhaus Fugger, SOFORT auszahlen. Albrecht sollte dann das Geld wieder eintreiben lassen und bei den Fuggers abzahlen. Da schwitzte der sowieso schon hoch verschuldete Albrecht auf seiner Residenz in Moritzburg! Doch half ihm die Einstellung eines neuen Mitarbeiters: der Mönch Johann Tetzel, wegen unsoliden Lebenswandels, Ehebruch und Spielbetrugs bereits zum Tode durch Ertrinken verurteilt - dann aber freigehandelt - wurde von Albrecht als Ablasshändler in Chefposition eingestellt. Und der verstand sein Handwerk! War der Ablasshandel bisher streng geregelt und konnten nur bestimmte Sündenstrafen durch Geld erlassen werden und nur in Zusammenhang mit 'tätiger' Reue, so machte Tetzel es dem gläubigen Volk mit marktschreierischer Manier einfacher: zahlt MEHR, dann werden euch die Strafen OHNE weiteres Zutun erlassen. Was für ein Geschäft! Ermöglicht durch die neuen päpstlichen Ablassgesetze! Die Hälfte des Geldes ging an den Bau des Petersdoms, die andere Hälfte teilten sich Albrecht und Tetzel. Alle waren zufrieden. Alle? Nein! Ein unbeugsamer Mönch hört nicht auf, dem Papst Widerstand zu leisten. Und das Leben wurde nicht leicht für den Ablasseintreiber Tetzel, der als Ausführender in den befestigten Lagern Jüterbog, Halle, Eisleben, Zerbst und Berlin umherzog... So wetterte Luther gegen Tetzel:
'Wenn einer gleich die heilige Jungfrau Maria, Gottes Mutter, geschwängert hätte, so könnte es der Tetzel vergeben, wenn man in den Kasten lege, was sich gebühre.'
Für Luther gab es eine grundlegende Frage: Warum hatte Apostel Paulus geschrieben, das HEIL komme ALLEIN durch GOTTES GNADE? Womit konnte man Gottes VERGEBUNG wirklich ERLANGEN? Mit Opfer, Reue, Buße, Redlichkeit oder durch gute Werke??

Durch sein legendäres „TurmErlebnis“ wurde ihm klar: Vergebung und Gnade sind das GESCHENK Gottes an jeden Menschen DIREKT. Man muss sie nicht erlangen – und kann sie schon gar nicht erkaufen. So schrieb er in seinen „95 Thesen“ in These 36:

„Ein jeder Christ, der wahre Reue empfindet über seine Sünden, hat völlige Vergebung von Strafe und Schuld, die ihm auch ohne Ablassbriefe gehört.“ also: Niemand kann Vergebung ohne Reue erhalten. Aber wer wirklich bereut, hat Anspruch auf völlige Vergebung –auch ohne bezahlten Ablassbrief.

50 Jahre später wurde der Ablasshandel verboten.

500 Jahre später feiern wir die Veröffentlichung der „95 Thesen“ am 31. Oktober 2017 mit einem großen Reformations-Jubiläum. 500 Jahre evangelische Kirche. Wir haben Geburtstag – feiern Sie mit!

C. Lehmann

Papst Leo X mit Kardinälen, Raffael 1517

20. Dezember (1552)

Das „Katharinen-Portal“

Gedenktag der Evangelischen Kirche Deutschlands an „die Lutherin“

Martin Luther bekam von seiner Frau zum 57. Geburtstag das „Katharinen-Portal“ geschenkt. Gefreut hat er sich nicht so sehr, denn er sah es als Geldverschwendung an. Seine Frau hingegen entschied, dass so viele Menschen in ihrem Hause ein- und ausgehen, dass ein schönes Eingangstor angebracht sei. Was war das für eine Ehefrau?
 
Am 29.01.1499 erblickte Katharina von Bora auf einem verarmten Adelsgut südlich von Leipzig das Licht der Welt. Mit fünf Jahren brachte sie ihr verwitweter Vater ins 60 km entfernte Kloster Brehna, gab sie für 30 Groschen dort ab und bestimmte damit ihren Lebensweg als Nonne. Selbst wenn sie als Erwachsene wünschte, ein anderes Leben führen zu wollen – es war ihr bei Strafe verboten. Unwiderruflich. Lebenslang.
Eltern aller Gesellschaftsschichten war es ab dem 6.Jh. erlaubt, ihr Kind als Opfergabe im Kloster („verschlossener Ort“) zu lassen. Arme Familien hatten so die Möglichkeit, ihren Kindern eine Versorgung zu gewährleisten. Beerbt wurde nur der älteste Sohn, die anderen mussten sehen, wo sie bleiben. Töchter heirateten – aber nur, wenn man die Mitgift zahlte, was sich viele jedoch nicht leisten konnten. Für wohlhabende Eltern war es eine Prestige- und Ehren-Sache, Kinder für das Kloster zu „opfern“. Nun hatten sie jemanden, der „von Berufs wegen“ für das Seelenheil der Familie zuständig war. Den Klöstern wiederum wurde so über Jahrhunderte der Nachwuchs gesichert.
Klöster waren als Teil der mittelalterlichen Gesellschaftsstruktur in vielen Bereichen für das alltägliche Leben der Bevölkerung wichtig. Ihnen gehörte Land, das an Bauern verpachtet oder selbst bewirtschaftet wurde. Sie verliehen Geld, betrieben Handwerk, gaben Reisenden Unterkunft, versorgten Kranke (Klosterapotheke), vermittelten Bildung und Kultur - staatliche Schulen gab es noch lange nicht. Im späten Mittelalter übernahmen Städte die Aufgaben der Klöster, die auf soziale Tätigkeiten wie Krankenpflege reduziert wurden. In Nach-Reformatorischer Zeit spielten sie kaum eine Rolle mehr.
Katharina wuchs auf. Mit 10 Jahren wurde sie ins Kloster Nimbschen bei Grimma gebracht, in dem ihre Tante Äbtissin war und mit 16 Jahren, zum frühest möglichen Zeitpunkt, legte sie ihr Gelübnis als Nonne ab. Sie lernte Gärten und Äcker bestellen, lesen und schreiben (das konnten damals nur 5 % der Bevölkerung), Latein und betriebswirtschaftliche Abläufe. Umfangreiche Bildung – das hat Folgen...  Luthers Schriften fanden ihren Weg in Katharinas Kloster. Die Frauen waren begeistert von den Ideen des Theologen und hielten es irgendwann nicht mehr aus... Am Karsamstag 1523 fuhr ein Wagen vor, gesandt von Martin Luther. Im Schutz der Dunkelheit und versteckt hinter Heringsfässern flohen 12 Nonen aus dem Kloster. Entlaufene Nonnen. Gesellschaftliche Ächtung. Obdachlos. 
Luther brachte die Frauen bei Freunden unter. Um sie zu versorgen, vermittelte er Ehemänner. Mit Katharina, die bei dem Maler Lucas Cranac wohnte, wurde es schwierig. Sie war eigenwillig. Luther fühlte sich veranwortlich, fand aber keine Lösung für sie und willigte selbst einer Heirat ein. Gegen den Rat vieler Freunde heiratete der 42 jährige Martin am 13.Juni 1525 die 16 Jahre jüngere Katharina. Erst kurz zuvor war - verbotener Weise - der erste Geistliche in den Ehestand getreten. Welch Skandal! Priester heiratet entlaufen Nonne! Als Hochzeitsgeschenk des wohlgesonnenen Kurfürsten bekamen sie das ehemalige >Schwarze Kloster< geschenkt, in dem Luther bereits seine Arbeitsstube hatte. Katharina war in ihrem Element! Sie konnte hier alles anwenden, was sie  gelern hatte: den großen Haushalt wirtschaftlich und gewinnbringend führen, Ländereien kaufen, verwalten und bewirtschaften, Viehzucht, Bierbrauerei, Gäste versorgen, Kinder großziehen, ein Hospiz für Pestkranke führen, bedeutende Schriften selbst lesen und als einzige Frau bei den berühmten Tischreden Luthers mitreden.
Die Lutherin steht für einen neuen Begriff: sie gilt als Begründerin des >evangelischen Pfarrhauses<, das sich  auszeichnet durch offene Gastfreundlichkeit, soziales Engagement, demokratisches Auseinandersetzen,  überdurchschnittliche Bildung, geistliches Potenzial UND  Familienleben - bis heute geprägt durch bedeutende Personen, die aus einem ev. Pfarrhaus stammen wie Nietzsche, H.Hesse, van Gogh, Schleiermacher, Dürrenmatt, Ingmar Bergmann, Joh. Rau, A.Merkel, J. Gauck, u.v.m.  In der Zeit der Deutschen Wiedervereinigung waren ev. Pfarrhäuser maßgeblich involviert – und Honecker wurde Unterkunft gewährt.

C. Lehmann

Symbol der Protestanten